Kinder basteln an Computer

Tandems, die (sich digital) verbinden

Kinder möbeln alte Computer auf, um ihnen Mitschüler*innen die digitale Teilnahme an Homeschooling-Videochats zu ermöglichen

Als Deutschland im März 2020 in den ersten bundesweiten Lockdown ging, stellten die Lehrkräfte des Lyonel-Feiniger-Gymnasiums in Halle (Saale) schnell fest, wie unterschiedlich die Bedingungen ihrer Schüler*innen im Homeschooling waren. Unbeantwortete E-Mails, ausbleibende Abgaben von Hausaufgaben und nicht-nutzen der digitalen Lernplattformen der Schule – bereits nach wenigen Wochen war der Kontakt zu diverse Schüler*innen nur noch schwer zu halten. Es war klar: Wer keinen Computer zuhause hat, wird eher abgehängt. Die für das Lernen zuhause nötigen Informationen kamen oft schlicht nicht an.

Eine Gruppe von Pädagog*innen der Schule und engagierte Menschen aus dem Schulförderverein waren sich einig darüber, dass diese neuen Herausforderungen auch neuen Lösungen bedarf. Im Rahmen einer Chancenpatenschaften-Projektförderung der spendenfinanzierten Stiftung Bildung und Unterstützung der für Sachsen-Anhalt zuständigen Kolleg*innen, riefen sie kurzerhand eine Projekt-“Ideenschmiede” aus. Auch “technisch benachteiligte” Schüler*innen konnten via Telefonschalte teilnehmen. Gemeinsam widmete sich die versammelte Schulgemeinschaft großen Fragen – Mit welchen Schwierigkeiten haben wir es zu tun und was können wir zusammen tun, um die Situation für alle einfacher zu machen? Wie kann die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schüler*innen während der Kontaktbeschränkungen jetzt funktionieren? – und entwarfen dabei als Antwort ein spannendes, wirkungsvolles Projekt.

Im Tandem für Zusammenhalt

Die Schüler*innen bildeten themenbezogene Tandems und trafen sich in den folgenden Wochen und Monaten, den Corona-Auflagen entsprechend, regelmäßig digital und in Person. Kinder mit Beeinträchtigungen des Lernens bzw. besonders schüchterne Kinder, für die laut ihrer Lehrerin der Distanzunterricht besonders schwierig gestaltete, konnten über die Tandems gezielt miteingebunden werden.

Eine Gruppe besonders technikaffiner Schüler*innen beschlossen das Problem der fehlenden Endgeräte selbst anzugehen: Sie baten Eltern, lokale Unternehmen und das Netzwerk der Schule um “Elektroschrott”-Spenden. Mit Unterstützung von Technikexpert*innen des Schulfördervereins richteten sie gespendete Geräte(-teile) so her, dass sie Mitschüler*innen zur Verfügung gestellt werden konnten und ermöglichten ihnen so Unterstützung beim Homeschooling und die Teilnahme am Unterricht via Video-Konferenz. Im weiteren Projektverlauf boten die Schüler*innen zudem Reparatur- und Wartungsarbeiten an – fuhren, als es wieder möglich war, zu ihren Mitschüler*innen nach Hause.

Eine weitere Gruppe, die “Kreativtandems”, entschlossen sich, über kreative Projekte Freude zu verbreiten. Über Videochat wurde gebastelt und sich ausgetauscht, Lehrer*innen gaben teils Impulse. Ein Teil der fertigen Werke wurde von den Kindern per Post an Bewohner*innen eines Senior*innenheims verschickt. Die Schüler*innen wollten damit Mut machen – sie stellten sich die Isolation für ältere Menschen besonders hart vor.

Eine weitere Projektgruppe entwarfen T-Shirts für ihre Mitschüler*innen mit designiertem Homeschooling-Logo als Erinnerung an die herausfordernde, aber besondere Zeit.

 

Von Schüler*innen entworfenes Homeschooling-Logo

“Die gemeinsame Projektarbeit hat viel Resilienzkraft freigesetzt”, berichtet eine der umsetzenden Pädagog*innen. “Die Tandems zu bilden und in den gemeinsamen Interaktionsprozess zu kommen war erst sehr aufwändig, weil [aufgrund der Umstände] eine engmaschige Begleitung notwendig war”, schreibt sie weiter. Doch es hat sich gelohnt: “In den Tandems konnten die Schüler*innen ein gemeinsam Ziel und Sinn in ihrem Tun entwickeln”, echte Selbstwirksamkeit erleben.

“Wir bedanken uns bei Stiftung Bildung für dieses tolle Förderangebot und die Anschubmotivation für unser abenteuerliches Projekt”, schreiben uns die projektumsetzenden Engagierten zum Projektabschluss. Wir finden: Ein tolles Projekt, das zeigt, wie Füreinander-Dasein auch in Zeiten des Abstandhaltens funktionieren kann. Und bedanken uns für das großartige Engagement der Lehrkräfte des Lyonel-Feiniger-Gymnasiums, des Schulfördervereins sowie den teilnehmenden Tandem-Kindern.

 

Chancenpatenschaften: Jetzt mitmachen!

Wir fördern mit Chancenpatenschaften Projekte, im Rahmen derer Patenschaften zwischen Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Teilhabechancen, aber ungefähr gleichen Alters entstehen. Dabei sind die unterschiedlichsten Projektformate denkbar: Wir möchten Projekte Realität werden lassen, die genau dort ansetzen, wo die Bedarfe der Kinder und Jugendlichen vor Ort liegen. Seit 2016 konnten wir, mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“, bereits über 11.000 Patenschaften initiieren – und möchten weiterhin jedes Jahr 3.000 Patenschaften fördern. Gemeinsam mit Ihnen, mit engagierten Menschen vor Ort, möchten wir Begegnungsräume schaffen und einen Beitrag zu einer chancengerechten Bildung leisten.

Sie haben auch eine Projektidee? Gern beraten und unterstützen wir Sie bei der Antragstellung. Wir freuen uns von Ihnen zu hören!

Stiftung Bildung • Regionalteam Sachsen-Anhalt
patenschaften-st@stiftungbildung.org

 

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