Pat*innenschaften und soziales Mentoring

BBE Policy-Paper zur Bundes-Engagementstrategie

Zentrale Impulse für die Bundes-Engagementstrategie (BES)

  • ➔ Pat*innenschaften und soziales Mentoring sind eine spezifische Form des bürgerschaftlichen Engagements. Dies ist in der Bundes-Engagementstrategie abzubilden und langfristig in der Engagementpolitik zu berücksichtigen.
  • ➔ Pat*innenschaften und Mentoring stärken den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie. Ihre Bedeutung muss politisch anerkannt und öffentlich sichtbar werden.
  • ➔ Bestehende Förderungen für Pat*innenschafts- und Mentoringprogramme sind auszubauen und zu entfristen. Damit wird gesellschaftliche Teilhabe und Vielfalt dauerhaft gestärkt.

Einleitung

Pat*innenschaften und soziales Mentoring sind eine besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements. Charakteristisch ist die Beziehungsarbeit. In unterschiedlichen Modellen, z.B. Eins-zu-Eins, Familien, Kleingruppen, erreichen Pat*innenschaften und soziales Mentoring vielfältige gesellschaftliche Gruppen und wirken dadurch flexibel und krisenerprobt in die Breite. Diese spezifische Engagementform ist einerseits im Bereich des Kinderschutzes im SGB VIII verankert und in bundesweite Programme aufgenommen worden, wie etwa „Menschen stärken Menschen“ oder „Aktion zusammen wachsen“ mit der Hauptzielgruppe der Kinder und Jugendlichen oder in der Nachcorona-Zeit im Programm „Aufleben“.

„Pat*innenschaften und soziales Mentoring stärken Chancengerechtigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und das demokratische Gemeinwesen. Ihre langfristige Wirkung ist wissenschaftlich belegt.“

Pat*innenschaften und soziales Mentoring stärken erwiesenermaßen Chancen- und Bildungsgerechtigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und das demokratische Gemeinwesen. Ihre langfristige Wirkung ist wissenschaftlich belegt. Diese Form des bürgerschaftlichen Engagements ermöglicht die Begegnung von Menschen mit verschiedenen Erfahrungen und Lebensweisen. Vorurteile und Stereotype werden durch den persönlichen Kontakt abgebaut. Die Erfahrungen tragen zur Resilienz von Pat*innen, Mentor*innen und Mentees bei und haben eine positive Wirkung auf die mentale Gesundheit. Die Pat*innen und Mentor*innen nehmen zudem oftmals eine Vorbildfunktion für die Mentees ein, indem sie für die Bedeutsamkeit von bürgerschaftlichem Engagement − als eine persönliche Bereicherung − sensibilisieren. Vermehrt werden Mentees aufgrund der eigenen positiven Tandem-Erfahrung später selbst als Pat*in aktiv. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass Pat*innenschaften und soziales Mentoring eine besonders wirkungsvolle sowie anspruchsvolle Form des Engagements sind, bei der es einer professionalisierten und auskömmlich finanzierten Begleitung der Umsetzung durch Trägerorganisationen bedarf. Pat*innenschaften und soziales Mentoring sollten daher zentraler Teil der Bundes-Engagementstrategie sein.

Gesellschaftliche Teilhabe fördern, Demokratie stärken

Soziales Mentoring- und Pat*innenschaftsansätze richten ihren Blick nicht defizitorientiert auf marginalisierte Gruppen, sondern sie agieren vielfalts- und menschenorientiert. Bürgerschaftliches Engagement und Teilhabe im Allgemeinen und Pat*innenschaften und soziales Mentoring durch die individuelle Beziehungsarbeit im Besonderen wirken gegen Einsamkeit und Vereinzelung, die demokratiegefährdend sein können. Das Programm „Menschen stärken Menschen“ zeigt etwa, dass die Beteiligung von vielfältigen Trägerorganisationen zur Stärkung der Diversität im Engagementfeld und im Zuge dessen auch in der gesamten Gesellschaft beiträgt. Im Rahmen des Programms ermöglichen beispielsweise Senior*innenbüros generationsübergreifendes Engagement, Migrant*innenselbstorganisationen fördern das Engagement von Menschen mit Migrationsbiographie und Bildungsträger stiften Tandems zwischen Studierenden und Schüler*innen: Alle beteiligten Organisationen gestalten das Programm aktiv.

Empfehlungen

  • → Die Stärkung der Diversität der Gesellschaft muss integraler Bestandteil der BES sein.
  • → Engagement fördernde Infrastruktureinrichtungen sind Anlaufstellen im lokalen Raum für alle Engagierten, auch Pat*innen und Mentees. Sie gilt es nachhaltig zu stärken.

Um Mentor*innen und Mentees in die Lage zu versetzen, auf Herausforderungen in demokratischen Prozessen zu reagieren, bedarf es einer entsprechenden Begleitung und Qualifizierung: Diversitäts- und Diskriminierungssensibilität müssen als fester Bestandteil von Fortbildungen mitgedacht und gefördert werden. Gleichzeitig müssen Engagierte, die Anfeindungen ausgesetzt sind, stärker durch förderfähige Curricula, Fortbildungen und weitere Schutzmaßnahmen geschützt werden.

Soziales Mentoring bietet Möglichkeits- und Gestaltungsräume für soziale Teilhabe, erfordert aber die Schaffung und Stärkung sozialer Räume als niedrigschwellige Anlaufstellen, insbesondere in Zusammenarbeit mit kommunalen Partnern. Engagement unterstützende Infrastrukturen wie Bürgerstiftungen, Mehrgenerationenhäuser, Senior*innenbüros und Freiwilligenagenturen sollten vor allem in strukturschwachen Regionen ausgebaut werden, auch unter Einbindung von Unternehmen und staatlichen Bildungseinrichtungen.

Empfehlungen

  • → Demokratiestärkung und Engagementförderung müssen zusammengedacht werden. Hierzu gehört auch, die Bekanntheit und Sichtbarkeit von Mentoringpro-grammen wie „Menschen stärken Menschen“ zu steigern.
  • → Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen stärker an politischen Prozessen – etwa ‚runden Tischen‘ – beteiligt werden.

Bei Auseinandersetzungen zu gesellschaftlichen Themen und in Demokratieprozessen müssen Engagementorganisationen stärker in politische Prozesse – etwa an sogenannten „runden Tischen“ − beteiligt werden. Demokratiestärkung und Engagementförderung müssen zusammengedacht werden: Dazu gehört, die Bekanntheit und Sichtbarkeit der Programme und Projekte im Kontext von Pat*innenschaften zu stärken. Öffentlichkeitsarbeit sollte daher ein fester Bestandteil einer solchen Förderlogik sein und die Zivilgesellschaft an der Konzeption beteiligt werden. Zudem sollte die Bundes-Engagementstrategie politische Aspekte des Demokratiefördergesetzes hervorheben und einen stärkeren Bezug herstellen.

Gute Rahmenbedingungen für qualitätssicheres soziales Mentoring und Pat*innenschaften schaffen

Qualitätssicheres Mentoring benötigt Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Vernetzungsangebote für die Engagierten. Daher muss erfolgreiches Mentoring durch eine professionelle, gesicherte, hauptamtliche Koordination begleitet werden. Jährliche Programmhorizonte führen zum Verlust von qualifizierten Mitarbeitenden („Braindrain“) und darüber hinaus wird es für die Träger zunehmend schwieriger, qualifiziertes Personal zu gewinnen.

Um die Qualitätsstandards von Pat*innenschaften und Mentoring einhalten zu können, ist eine auskömmliche Finanzierung erforderlich und es bedarf angepasster Förderlogiken. Modalitäten der Finanzierung, wie z.B. Pauschalen oder überjährige Finanzierung, müssen geklärt werden. Für die dauerhafte strukturelle Förderung bedarf es einer abgestimmten Förderpolitik von Bund, Ländern und Kommunen. Ein Engagmentfördergesetz könnte hierfür den Rahmen schaffen. Ein Bürokratieabbau ist zwingend notwendig, um den Verwaltungsaufwand zu verringern. So werden Ressourcen für die inhaltliche Arbeit frei. Dies ist insbesondere für ehrenamtlich getragene Strukturen wichtig.

Empfehlungen

  • → Die Nachhaltigkeit bestehender Pat*innenschaftsprogramme, insbesondere die Entfristung von Programmen wie „Menschen stärken Menschen“, muss gewährleistet werden.
  • → Die Bundeskompetenzen müssen erweitert werden und ein Engagementfördergesetz aus der BES hervorgehen, um Förderstrukturen mit Ländern und Kommunen zu sichern.
  • → Die hauptamtliche Koordination muss auskömmlich finanziert werden, um erfolgreiches soziales Mentoring zu gewährleisten.

Die Migrant*innenorganisationen, Stiftungen, Vereine, Initiativen, Wohlfahrtsverbände und die vielen weiteren Träger, die Pat*innenschaften und soziales Mentoring vor Ort ermöglichen, bieten ein sehr großes Netzwerk mit Räumen für gesellschaftliche Teilhabe, welche erhalten und weiter ausgebaut werden müssen. Die Bundes-Engagementstrategie sollte darauf hinwirken, die hierfür benötigten verlässlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

BBE-Policy-Paper zur Bundes-Engagementstrategie

Die BBE-Policy-Paper sind Teil des Beteiligungsprozesses des BBE zur Bundes-Engagementstrategie, die durch die Bundesregierung im Jahr 2024 verabschiedet werden soll. Das BBE bündelt im Rahmen des Prozesses die Expertise seiner Mitglieder. Die Beiträge wurden durch die BBE-AGs, weiteren Gruppen von Mitgliedern oder Partnern des Netzwerks erarbeitet.

Weitere Informationen zum Beteiligungsprozess des BBE an der Bundes-Engagementstrategie sind zu finden unter:
https://www.b-b-e.de/projekte/bundes-engagementstrategie/

Weitere BBE-Policy-Paper zur Bundes-Engagementstrategie sind zu finden unter:
https://www.b-b-e.de/projekte/beitraege-des-bbe-zur-bundes-en-gagementstrategie/

Redaktion:

Das Gros der Programmträger aus dem Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ und Bundesverband Soziales Mentoring.

Weitere Informationen zum Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen unter
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/engagement-und-gesellschaft/engagement-staerken/menschen-staerken-menschen
oder
https://msm-chancenpatenschaften.de/

Weitere Informationen zum Bundesverband Soziales Mentoring unter
https://bundesverband-mentoring.social/

Pat*innenschaften und soziales Mentoring. BBE Policy-Paper zur Bundes-Engagementstrategie

Pat*innenschaften und soziales Mentoring. BBE Policy-Paper zur Bundes-Engagementstrategie (PDF-Datei)

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