In Deutschland gibt es über 300 Ausbildungsberufe, doch viele Jugendliche kennen kaum Berufe jenseits der klassischen Klischees. Das zeigt die Sonderauswertung der jüngsten PISA-Studie zum Thema Berufsorientierung. Besonders bei jungen Menschen aus herausfordernden sozioökonomischen Hintergründen gibt es eine Diskrepanz zwischen den Berufswünschen und den tatsächlichen Bedarfen des Arbeitsmarkts. Dabei werden gerade sie als Fachkräfte gebraucht.
„Der Mehrheit junger Menschen fehlt es an echten Gelegenheiten, Arbeitswelten zu erleben“, so Andreas Schleicher, Bildungsdirektor bei der OECD und Chefkoordinator der PISA-Studien. 70 Prozent der 15-Jährigen geben an, dass Schule kein Ort ist, der auf das Leben danach vorbereitet. Nur 30 Prozent waren auf einer Berufsmesse, noch weniger kennen reale Arbeitsplätze aus eigener Anschauung.
Jugendclubs eröffnen echte Perspektiven für das Handwerk
Genau hier setzt das youclub-Projekt der Stiftung Bildung an: Junge Menschen in Jugendclubs, die von formalen Bildungsangeboten seltener erreicht werden, setzen gemeinsam mit Handwerksfachkräften eigene Handwerksprojekte um. Durch den niedrigschwelligen Zugang im direkten Lebensumfeld der Jugendlichen können sie ohne schulischen Druck ihre Fähigkeiten im Handwerk ausprobieren und erhalten durch die beteiligten Fachkräfte echte Einblicke in handwerkliche Berufsfelder.
Unsere Evaluation von youclub 2025 (PDF-Datei) zeigt: 81 Prozent der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen haben durch die Projektteilnahme entdeckt, dass ihnen handwerkliche Tätigkeiten Spaß machen. 52 Prozent entwickelten mehr Interesse an einer handwerklichen Ausbildung.
Dabei richtet sich youclub nicht nur an Jugendliche im Übergang von Schule zu Beruf. Das Projekt setzt auf Frühsensibilisierung und richtet sich an alle jungen Menschen ab 8 Jahren in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Auch für OECD-Direktor Andreas Schleicher ist es entscheidend, jungen Menschen die Vielfalt an Möglichkeiten möglichst früh aufzuzeigen: „Die wichtigsten Karriereentscheidungen treffen wir nicht am Ende der Schulzeit, sondern zu Beginn.“
Mehr als nur ein Praktikum: Schlüsselkompetenzen für die Arbeitswelt von morgen
youclub ist jedoch mehr als ein Handwerksprojekt. Unsere Evaluation hat ergeben, dass durch die Projektteilnahme wichtige Schlüsselkompetenzen gefördert werden – Kompetenzen, die auf die sich rasant verändernde Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten. Durch die Stärkung von Fähigkeiten wie Teamwork, Kommunikation oder Entscheidungsfindung werden die jungen Menschen in die Lage versetzt, handlungsfähig zu werden und zu bleiben. „Wer an einem echten Projekt mitarbeitet, übernimmt Verantwortung, lernt Teamarbeit und Durchhaltevermögen – wichtige Kompetenzen für jede Berufsausbildung“, so eine begleitende pädagogische Fachkraft eines teilnehmenden Projektes.
600 Kinder und Jugendliche in Berliner und Brandenburger Jugendclubs konnten mit youclub im Jahr 2025 direkt erreicht werden. 100 Prozent der pädagogischen Fachkräfte bestätigen: youclub hat die Berufsorientierung der teilnehmenden jungen Menschen nachhaltig unterstützt. Die Ergebnisse sind nicht nur ein Erfolg für die beteiligten Jugendclubs, sondern auch ein Appell an Politik und Gesellschaft: Die offene Kinder- und Jugendarbeit muss als zentraler Bildungsort gestärkt werden – mit mehr finanziellen Mitteln, langfristiger Förderung und politischer wie gesellschaftlicher Anerkennung. Mehr über die Bedeutung offener Jugendarbeit als Bildungsort lesen Sie in unserem Beitrag Stiftung Bildung für die Förderung von Jugendstandorten.
youclub Projektbericht 2025
Lesen Sie mehr über youclub, die durchgeführten Projekte und ihre Wirkung im Projektbericht 2025 (PDF-Datei).
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