Während in Berlin Kürzungen von rund 40 Millionen Euro im Bereich Jugend und Familie diskutiert werden, zeigen unsere Daten aus drei Jahren youclub2030 glasklar: Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) wirkt – und ist unverzichtbar für Bildungs- und Chancengerechtigkeit.
An Jugendorten zu sparen, heißt an Orten sparen, an denen junge Menschen Demokratie, Solidarität und Selbstwirksamkeit erleben.
Jugendclubs: Hier kommt Bildung an!
Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen – kurz Jugendclubs – sind ein zentraler Teil der OKJA. Hier entstehen geschützte Räume, in denen junge Menschen ihre Themen und ihre Fragen einbringen können. Sie kommen freiwillig, die Angebote sind meist kostenfrei und niedrigschwellig.
Die Stiftung Bildung fördert non-formale Bildungsprojekte in Jugendclubs und erreicht so eine Zielgruppe junger Menschen, die seltener von klassischer Engagementförderung oder formalen Bildungsangeboten erreicht werden. Die Evaluation unseres Pilotprojekts youclub2030 (2022-2024) zeigt: In den teilnehmenden Jugendclubs treffen Kinder und Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Für viele von ihnen ist der Jugendclub der Ort, an dem sie Unterstützung bei Hausaufgaben und persönlichen Anliegen bekommen sowie Zugang zu Themen erfahren, was sie zuhause oder in der Schule so nicht erhalten.
Gleichzeitig sind genau diese Einrichtungen seit Jahren strukturell unterfinanziert: befristete Verträge, schlechte Personalschlüssel, unsichere Projektfinanzierung. Fachkraftausfall führt oft zu zeitweiligen Schließungen, viele Mitarbeitende begleiten zusätzliche Projekte in ihrer Freizeit, weil die regulären Stellen nicht ausreichen.
OKJA wirkt – aber sie arbeitet am Limit.
Ein Blick in unsere Wirkungsevaluationen macht deutlich, welches Potenzial selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen in der OKJA steckt: Knapp 250 junge Menschen haben sich im Pilotprojekt mit dem Schwerpunkt Bildung für nachhaltige Entwicklung bundesweit als „Projektmacher*innen“ in 20 Jugendclubs aktiv engagiert. Viele der Teilnehmenden waren zuvor noch nie in Nachhaltigkeitsprojekten aktiv. Die jungen Menschen berichten, dass sie erlebt haben, wie sie selbst etwas in ihrem Umfeld verändern können. Darüber hinaus entstand ein großer Multiplikationseffekt. So wurden insgesamt 4.500 weitere Menschen indirekt mit dem Projekt erreicht.
Gleichzeitig zeigt die Projektauswertung deutlich: Die zeitlichen und personellen Kapazitäten der Fachkräfte sind zu knapp, um solche Projekte langfristig und in der Breite zu ermöglichen. Die Evaluation empfiehlt explizit, die OKJA zu stärken und zusätzliche Fachkräfte für Bildungsarbeit zu finanzieren.
Forderungen der Stiftung Bildung
Aus den Erfahrungen unserer Projekte in der OKJA und besonders mit Blick auf die drohenden Kürzungen in Berlin sagen wir klar: Offene Kinder- und Jugendarbeit muss gestärkt – und nicht geschwächt – werden.
1. Keine Kürzungen im Bereich Jugendhilfe
Wir fordern eine tarifgerechte Entlohnung der Mitarbeitenden der freien Jugendhilfe und eine gesicherte Finanzierung der bestehenden Angebote für Kinder und Jugendliche.
2. Trägervielfalt langfristig sichern
Kurze Förderzeiten und befristete Verträge schaffen Unsicherheit, binden Ressourcen in Bürokratie und fehlen dann in der direkten Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wir fordern eine langfristig gesicherte Finanzierung vielfältiger freier Träger. Dazu gehört auch, wirkungsvolle Projekte in der OKJA wie das youclub-Projekt der Stiftung Bildung strukturell zu verankern.
3. Mehr Stellen und Hilfskräfte in der OKJA
Viele Jugendclubs arbeiten mit so knappen Personalschlüsseln, dass schon der Ausfall einer Fachkraft zur (zeitweiligen) Schließung führen kann. Zugleich zeigen unsere Projekte, wie entscheidend Beziehungsarbeit und Begleitung durch Fachkräfte für gelingende Beteiligung junger Menschen sind. Wir fordern daher einen Ausbau von Fachkraftstellen in der OKJA sowie zusätzliche Hilfskräfte und spezialisierte Bildungsfachkräfte, die Jugendclubs bei der Umsetzung wirkungsvoller Projekte unterstützen.
4. Gesundheit und Psyche der Fachkräfte schützen
Unsichere Finanzierung, hohe Verantwortung in der Arbeit mit jungen Menschen, Personalmangel und unregelmäßige Arbeitszeiten führen zu einer dauerhaften Überlastung der Fachkräfte. Wir fordern deutliche Verbesserungen in Arbeitsbedingungen, Anerkennung und Planungssicherheit, um die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen – denn nur gesunde Fachkräfte können diese essenzielle Arbeit langfristig leisten.
5. Mehr Sichtbarkeit und Anerkennung für Offene Kinder- und Jugendarbeit
Jugendclubs sind mehr als „Treffpunkte“ – sie sind Orte, an denen junge Menschen demokratisches Miteinander, Meinungsvielfalt und Solidarität einüben.
Durch youclub und andere Projekte der Stiftung Bildung wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit bereits auf vielfältigen Kanälen sichtbar gemacht – von Social Media über Pressearbeit bis hin zu Veranstaltungen. Doch echte Anerkennung braucht politische Konsequenzen: Die OKJA muss als demokratierelevante Aufgabe verstanden und entsprechend ausgestattet werden.
Offene Kinder- und Jugendarbeit wirkt. Sie ist unverzichtbar für Bildungs- und Chancengerechtigkeit und für unsere Demokratie. Damit alle Kinder und Jugendlichen die Chance haben, ihre Zukunft mitzugestalten, brauchen wir den Jugendclub „um die Ecke“ – heute und morgen.
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