Klimakrise, Kriege, soziale Ungleichheit, psychische Belastungen, Vertrauensverlust in demokratische Institutionen: Viele junge Menschen wachsen heute in einer Welt auf, die von Unsicherheit geprägt ist. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht allein an Wirtschaftswachstum gemessen werden kann.
Deshalb gewinnt international ein Begriff an Bedeutung, der auch in Deutschland zunehmend diskutiert wird: Well-being.
Was bedeutet Well-being?
Well-being lässt sich mit dem Dreiklang aus Wohlfahrt, Wohlstand und Wohlergehen übersetzen. Gemeint ist mehr als persönliches Glück oder individuelles Wohlbefinden. Der Begriff beschreibt die Frage, wie Menschen heute und in Zukunft gut leben können – sozial gerecht, gesund, selbstbestimmt und innerhalb der planetaren Grenzen.
Der Bildungsforscher Prof. Dr. Gerhard de Haan vom Institut Futur der Freien Universität Berlin sieht darin eine wichtige Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsgedankens. Nachhaltigkeit werde häufig vor allem mit Umwelt- und Klimaschutz verbunden. Well-being hingegen rückt stärker die Menschen in den Mittelpunkt.
Die zentrale Frage lautet:
Wie können wir ein gutes Leben für alle ermöglichen, ohne die ökologischen Lebensgrundlagen kommender Generationen zu gefährden?
Well-being verbindet damit ökologische Verantwortung mit sozialer Gerechtigkeit, Gesundheit, Bildung, Demokratie und Teilhabe.
Warum ist das für Bildung wichtig?
Bildung entscheidet maßgeblich darüber, ob Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Sie eröffnet Chancen, stärkt Gesundheit, fördert demokratische Kompetenzen und schafft Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe.
Gleichzeitig erleben viele Kinder und Jugendliche heute Belastungen, die ihr Wohlergehen beeinträchtigen: psychischer Druck, Zukunftsängste, soziale Ungleichheit oder fehlende Mitbestimmungsmöglichkeiten.
Ein Bildungssystem, das Well-being ernst nimmt, fragt deshalb nicht nur nach Noten und Abschlüssen. Es fragt auch:
- Fühlen sich Kinder und Jugendliche gehört?
- Können sie ihre Potenziale entfalten?
- Erleben sie Selbstwirksamkeit?
- Werden ihre Bedürfnisse ernst genommen?
- Haben sie die Möglichkeit, ihre Zukunft mitzugestalten?
Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen
Dass junge Menschen bereit sind, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen, zeigt auch die aktuelle Jugendbeteiligungsstudie “YOUth DECIDEs” des Institut Futur. Wie es sich auswirkt, wenn sich junge Menschen in Gremien wie Beiräten, Vorständen oder Foren engagieren, wurde hier am Beispiel des Jugendgremiums youpan untersucht. Die Kernergebnisse sind jezt in einem jugendgerechten Format veröffentlicht.
Die Studie macht deutlich: Viele junge Menschen möchten sich stärker einbringen, gesellschaftliche Veränderungen mitgestalten und bei politischen Entscheidungen beteiligt werden. Gleichzeitig erleben sie häufig, dass ihre Perspektiven nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Für die Stiftung Bildung ist das eine zentrale Erkenntnis. Kinder und Jugendliche sind nicht nur die Gesellschaft von morgen. Sie sind Teil der Gesellschaft von heute. Ihre Erfahrungen, Ideen und Sichtweisen sind unverzichtbar, wenn es darum geht, Bildung, Demokratie und nachhaltige Entwicklung zukunftsfähig zu gestalten.
Well-being braucht Beteiligung
Deshalb gehören Well-being und Partizipation untrennbar zusammen. Wer junge Menschen beteiligt, stärkt nicht nur demokratische Prozesse. Beteiligung fördert auch das Gefühl, etwas bewirken zu können. Sie schafft Zugehörigkeit, Vertrauen und Selbstwirksamkeit, alles wichtige Voraussetzungen für individuelles und gesellschaftliches Wohlergehen.
Ob in Kita, Schule, Jugendgremium, Schüler*innenvertretung oder Kita- und Schulförderverein: Dort, wo Kinder und Jugendliche mitentscheiden und Verantwortung übernehmen können, entsteht Zukunftskompetenz.
Was bedeutet das für die Stiftung Bildung?
Die Stiftung Bildung setzt sich für eine chancengerechte, vielfältige und partizipative Bildung ein. Unser Ziel ist es, dass alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben, ihre Potenziale zu entfalten und unsere Gesellschaft und ihre Lebensrealität aktiv mitzugestalten.
Der Well-being-Ansatz bestärkt uns in dieser Arbeit. Denn gute Bildung ist mehr als reine Wissensvermittlung. Sie bedeutet:
- Teilhabe ermöglichen
- Gesundheit stärken
- Vielfalt wertschätzen
- Demokratie leben
- Aktiv mitgestalten
Anders gesagt:
Beste Bildung schafft die Voraussetzungen für ein gutes Leben für alle Kinder und Jugendlichen bundesweit, heute und in Zukunft.
Well-being beginnt oft damit, etwas für andere zu tun
Wenn wir über Well-being sprechen, geht es nicht nur darum, wie es Kindern und Jugendlichen geht. Es geht auch um die Frage, was uns selbst ein gutes Leben ermöglicht. Interessanterweise zeigt eine Studie des amerikanischen Gesundheitsdienstleisters UnitedHealth Group (PDF-Datei, www.unitedhealthgroup.com) genau hier einen spannenden Zusammenhang: Menschen, die sich engagieren, spenden oder anderen helfen, berichten häufiger von mehr Lebenszufriedenheit, Glück, Sinnhaftigkeit und sogar einer besseren körperlichen Gesundheit.
Die Befragten gaben an, dass sie sich durch ihr Engagement weniger gestresst fühlen, mehr Optimismus erleben und das Gefühl haben, einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Anders gesagt: Gutes tun tut auch uns selbst gut.
Wer für Bildung spendet, ermöglicht Kindern und Jugendlichen bessere Chancen, mehr Teilhabe und eine hoffnungsvollere Zukunft. Gleichzeitig stärkt dieses Engagement das eigene Gefühl von Verbundenheit, Wirksamkeit und Sinn. Vielleicht ist genau das einer der schönsten Aspekte von Well-being: Es entsteht dort, wo wir Verantwortung füreinander übernehmen.
Auf den Punkt gebracht: Wenn Kinder und Jugendliche die Chance auf ein gutes Leben bekommen, gewinnen wir alle.
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