Warum Ganztag das Bildungsengagement braucht

und was Kita- und Schulfördervereine leisten

Berlin, 08. April 2026

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung für Kinder ist eines der zentralen bildungspolitischen Vorhaben der kommenden Jahre. Ganztag ist dabei weit mehr als ein organisatorisches Angebot zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Richtig gestaltet, ist er ein entscheidender Hebel für mehr Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt. Ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote eröffnen Kindern unabhängig von Herkunft und Lebenslage zusätzliche Lern- und Entwicklungsräume, fördern soziale Kompetenzen, Kreativität und demokratisches Miteinander – und stärken Bildungsorte nachhaltig.

Mit dem bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab dem 1. August 2026 wird ein wichtiger und ausdrücklich zu begrüßender gesellschaftlicher Schritt vollzogen. Er schließt eine Lücke, die viele Familien bislang beim Übergang von der Kita in die Schule erleben: Während frühkindliche Bildung häufig verlässlich organisiert ist, fehlen in der Grundschule vielerorts ganztägige Angebote. Der Rechtsanspruch schafft hier Kontinuität und ist ein starkes Signal für mehr Bildungsgerechtigkeit für Kinder von Anfang an.

Ganztag braucht mehr als Plätze

Doch ein Rechtsanspruch allein garantiert noch keinen guten Ganztag. Entscheidend ist, wie Ganztag konkret umgesetzt wird: inhaltlich, qualitativ und strukturell. Die Realität an vielen Schulen zeigt, wie ungleich die Voraussetzungen noch immer sind – von baulichen Mängeln über fehlende Fachkräfte bis hin zu begrenzten Angeboten. Schulen sind Orte, an denen soziale Ungleichheit besonders sichtbar wird. Diese Herausforderungen lassen sich nicht allein durch staatliche Programme bewältigen. Schulen sind auch die Orte, die Ungerechtigkeiten wirksam entgegenwirken können.

Ganztag wird dann zu einem wirksamen Bildungsinstrument für alle Kinder, wenn er als gemeinsamer Gestaltungs- und Beteiligungsraum verstanden wird: getragen von Staat und Zivilgesellschaft, mit klaren Rollen und gemeinsamer Verantwortung. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, staatliche Aufgaben zu privatisieren oder zu ersetzen. Vielmehr ergänzt zivilgesellschaftliches Bildungsengagement staatliche Verantwortung dort sinnvoll, wo Nähe, Flexibilität, Beteiligung und lokale Vernetzung gefragt sind – eine Bereicherung für alle. Das geschieht bereits landesweit. Der Ganztag bietet eine Chance, die Verzahnung von Schule, Schulförderverein und damit dem Bildungsengagement auszuweiten.

Bildungsengagement als Ergänzung im Ganztag

In der Praxis zeigt sich bereits, wie gut dieses Zusammenspiel funktionieren kann. Der Staat stellt Infrastruktur, rechtliche Rahmenbedingungen, Qualität und Grundfinanzierung sicher. Zivilgesellschaftliche Akteur*innen bringen zusätzliche Perspektiven und Expertisen ein, kennen die Bedarfe vor Ort, können flexibel agieren und auch in Krisenzeiten schnell reagieren.

Mit rund 40.000 Kita- und Schulfördervereinen bundesweit Schüler*innen und Elternvertretungen auf allen Ebenen bildet das zivilgesellschaftliche Bildungsengagement längst eine tragende Säule der Bildungslandschaft. Dieses Engagement ist an vielen Bildungsorten sehr geschätzt und fest verankert. Es verbindet Kinder, Eltern/Erziehungsberechtigte, Lehr- und Fachkräfte, Schulen und Bildungsengagierte, stärkt Kooperation, Verantwortungsübernahme und Mitwirkung und trägt dazu bei, dass Bildungsorte lebendige Lern- und Lebensräume sind. Besonders auch bei Übergängen leistet das Bildungsengagement für Kinder und Jugendliche einen wichtigen Beitrag, der Kontinuität schafft und Brüche abfedert.

Was Kita- und Schulfördervereine, Schüler*innen- und Elternvertretungen im Ganztag konkret leisten

Im Ganztag sind Kita- und Schulfördervereine, Schüler*innen- und Elternvertretungen unverzichtbare Partner*innen. Sie bringen die Perspektiven derjenigen ein, die Ganztag unmittelbar erleben, und tragen dazu bei, Angebote bedarfsgerecht, partizipativ und qualitätsvoll zu gestalten.

Kita- und Schulfördervereine unterstützen den Bildungsalltag vor Ort, etwa bei der Organisation von Hausaufgaben- oder Lernbegleitung, Essensangeboten, Betreuung und ermöglichen zusätzliche Bildungsangebote, die den Ganztag qualitativ für Kinder bereichern. Elternvertretungen – von der Kita- bis zur Bundesebene – bündeln Erfahrungen aus dem Alltag von Familien, machen Bedarfe sichtbar und bringen diese strukturiert in Entwicklungsprozesse, Gremien und politische Debatten ein. Schüler*innenvertretungen wiederum sorgen dafür, dass die Perspektiven junger Menschen gehört werden und ihre Expertisen in Entscheidungen einfließen: Sie übernehmen Verantwortung, vertreten Interessen, gestalten Ganztag aktiv mit und stärken demokratische Kompetenzen und erfahren Selbstwirksamkeit.

Gemeinsam ermöglichen diese Strukturen vielfältige (Bildungs-)Angebote und Entwicklungsimpulse für Kinder im Ganztag, unter anderem:

  • Demokratiebildung, etwa durch Kinder- und Jugendparlamente,
  • Beteiligungsprojekte oder Projektwochen, in denen Mitbestimmung praktisch erfahrbar wird.
  • Individuelle Förderung, zum Beispiel durch Lernbegleitung, Patenschaften oder niedrigschwellige Hausaufgaben- und Unterstützungsangebote.
  • Kulturelle Angebote wie Theater-, Musik-, Kunst- oder Museumsprojekte, die Ausdrucksfähigkeit, Kreativität und Selbstvertrauen fördern.
  • Sport- und Bewegungsangebote, die Gesundheit stärken, Stress abbauen und Gemeinschaft erlebbar machen.
  • Nachhaltigkeits- und Klimaschutzprojekte, die Bildung für nachhaltige Entwicklung alltagsnah umsetzen.
  • Ernährungsbildung, die Kinder befähigt, ihre Ernährung bewusst und selbstbestimmt zu gestalten.

So wird Ganztag mehr als bloße Betreuung: ein gemeinsamer Bildungs- und Lebensraum, in dem junge Menschen Beziehungen aufbauen, Interessen entdecken, Selbstwirksamkeit erfahren und sich als aktiver Teil einer demokratischen Gemeinschaft erleben.

Engagement braucht verlässliche Strukturen – auch das Bildungsengagement

Dieses Bildungsengagement wird überwiegend ehrenamtlich getragen. Sechs Millionen Menschen engagieren sich bundesweit ehrenamtlich für Bildung. Damit dieses Engagement dauerhaft wirksam bleiben kann und das Potenzial wirkungsvoll entfaltet wird, braucht es stabile, professionelle Unterstützungsstrukturen.

Deshalb setzen sich das Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen für Bildung & Teilhabe (bbt), der Bundeselternrat (BER), die Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi), die Bundesschüler*innenkonferenz (BSK) und die Stiftung Bildung gemeinsam dafür ein, die bundesweiten Strukturen des ehrenamtlichen und zivilgesellschaftlichen Bildungsengagements nachhaltig zu stärken. Eine verlässliche Strukturförderung durch fünf Millionen Euro jährlich im Bundeshaushalt würde ermöglichen, hauptamtliche Geschäftsstellen aufzubauen, die Ehrenamtliche entlasten und die Qualität des Ganztags für alle Kinder langfristig sichern.

Ganztag als offener Bildungs- und Begegnungsort

Ganztag ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Öffnet er sich stärker in den Sozialraum, kann Schule zu einem Ort werden, der Bildung, Engagement und Gemeinwesen verbindet: mit der Nachbarschaft, Kita- und Schulfördervereinen und anderen Vereinen, Initiativen, Jugendclubs und Projekten. Das stärkt Teilhabe, fördert Vielfalt, Zusammenhalt und schafft neue Formen des Miteinanders. Ganztag kann so zu einem Ort werden, an dem Kinder und Jugendliche unabhängig ihrer Hintergründe ihre Potenziale entfalten.

Fazit: Ganztag gelingt nur gemeinsam

Der Ausbau des schulischen Ganztags für Kinder ist eine große Chance. Damit aus politischen Zusagen eine tragfähige Realität wird, braucht es das Zusammenspiel von Staat und Zivilgesellschaft.

Ganztag braucht Bildungsengagement, nicht als Ersatz staatlicher Verantwortung, sondern als unverzichtbare Ergänzung und gutes kooperatives Zusammenwirken im Sinne bestmöglicher Entwicklung und Bildung eines jeden Kindes. Kita- und Schulfördervereine, Schüler*innen- und Elternvertretungen leisten einen entscheidenden Beitrag zur Qualität, Vielfalt und Teilhabe im Ganztag.

Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Ganztag zu einem starken Instrument für Bildungsgerechtigkeit, demokratische Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt wird.

Logoleiste mit den Logos von bbt, Bundeselternrat, bevki, Bundeschüler*innenkonferenz und Stiftung Bildung

Stellungnahme: Warum Ganztag das Bildungsengagement braucht und was Kita- und Schulfördervereine leisten

Stellungnahme: Warum Ganztag das Bildungsengagement braucht und was Kita- und Schulfördervereine leisten (PDF-Datei)

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