Junges Engagement für BNE wirkt

Eine neue Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) belegt die Wirksamkeit der Jugendbeteiligung im nationalen BNE-Prozess.

Junge Menschen wollen die Zukunft der Bildung aktiv und mit eigenen Ideen mitgestalten. Dafür müssen sie an politischen Prozessen teilhaben können und ihre Entscheidungen berücksichtigt werden. Deshalb setzen wir das Jugendbeteiligungsprojekt zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bereits seit 2017 um. Nun liegt der vollständige Abschlussbericht der Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) vor. Die Ergebnisse bestätigen eindrucksvoll: Wenn junge Menschen echte Mitgestaltungsmöglichkeiten erhalten, profitieren sowohl die Engagierten selbst als auch die politischen Prozesse, in denen sie ihre Perspektiven einbringen. Das Beispiel des Jugendforums youpan zeigt, wie wirksam Jugendbeteiligung im nationalen BNE-Prozess sein kann.

Eine junge Person mit lilafarbenen Haaren und Hemd grinst. Sie steht vor einer weiteren jungen Person mit blauem Hoodie.
© Tom Pincus – Stiftung Bildung, youpan

Ergebnisse der Evaluationsstudie

youpan-Mitglieder bauen ihre Kompetenzen aus

Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Mitglieder des Jugendforums youpan bringen bereits vielfältige Kompetenzen mit und entwickeln diese während ihrer Mitgliedschaft kontinuierlich weiter. Sie vertiefen ihr Wissen im Bereich BNE und stärken zugleich soziale sowie demokratische Fähigkeiten. Gleichzeitig bauen sie methodische und organisatorische Kompetenzen aus, erhalten Einblicke in politische Prozesse und lernen, den eigenen Standpunkt klar zu vertreten ebenso wie Positionen gemeinsam auszuhandeln.

Darüber hinaus zeigt sich, dass youpan-Mitglieder ein starkes Gefühl von Selbstwirksamkeit erleben. Dieses entsteht beispielsweise durch Engagement in der Lobbyarbeit oder im Austausch mit anderen jungen Menschen. Solche Erfahrungen stärken das Selbstbewusstsein und motivieren viele, sich auch langfristig ehrenamtlich einzubringen.

“Wichtige strukturelle Voraussetzungen hierfür sind die Freiheiten, die das youpan ihnen in der Ausgestaltung der eigenen Arbeit gewährt, wodurch individuelle Interessen und Stärken gut eingesetzt werden können. Auch die pädagogische Begleitung leistet einen wichtigen Beitrag, indem sie als Wissensspeicher fungiert, bei der Einarbeitung neuer Mitglieder sowie in organisatorischen Dingen unterstützt.” – Hoffmann et al. (2026, S. 96)

Besonders bemerkenswert: Die Wirkungen reichen über die Zeit im youpan hinaus. Ehemalige Mitglieder engagieren sich häufig weiterhin gesellschaftlich oder arbeiten beruflich in Bereichen, die an ihre Erfahrungen im Jugendforum anknüpfen. Das zeigt, dass Jugendbeteiligung nicht nur kurzfristige Lernerfahrungen ermöglicht, sondern nachhaltige Wirkung für den weiteren Lebensweg entfalten kann.

Ermöglicht wird dies vor allem durch die Arbeitsweise innerhalb des Jugendforums: Die Mitglieder lernen voneinander, können neue Ideen ausprobieren und haben dabei viel Raum, eigene Erfahrungen zu sammeln. Die hauptamtliche Begleitung durch das Team der Stiftung Bildung bietet hierbei wichtige pädagogische und organisatorische Unterstützung. Sie hilft neuen Mitgliedern beim Einstieg, begleitet die Vorbereitung auf Gremiensitzungen und steht bei Herausforderungen oder Konflikten als verlässliche Ansprechstelle zur Seite.

Eine junge Person sitzt in einem Stuhlkreis und schaut über ihre Schulter in die Kamera. Sie trägt rote, lange Haare und ein dunkles T-Shirt.
© Tom Pincus - Stiftung Bildung, youpan

Vielfalt als Anspruch und Lernfeld

Die Studie hebt außerdem hervor, wie intensiv sich das Jugendgremium mit Fragen von Diversität, Teilhabe und Awareness auseinandersetzt. Durch verschiedene Maßnahmen arbeitet das Jugendforum kontinuierlich daran, unterschiedliche Perspektiven einzubinden und die Vielfalt seiner Mitglieder zu stärken.

Die Mitglieder setzen sich dabei bewusst mit eigenen Privilegien auseinander und reflektieren, wie die Interessen von jungen Menschen berücksichtigt werden können, die in politischen Prozessen bislang oft weniger gehört werden. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass auch weiterhin Herausforderungen bestehen. Insbesondere junge Menschen aus bildungsbenachteiligten oder finanziell weniger privilegierten Lebenslagen sind in Beteiligungsformaten häufig unterrepräsentiert.

Als besonders wertvoll beschreiben viele Mitglieder die Begegnung mit unterschiedlichen politischen Sichtweisen innerhalb des Jugendforums. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen stärkt demokratische Kompetenzen, fördert den konstruktiven Umgang mit Meinungsverschiedenheiten und schafft wichtige Lernerfahrungen für gesellschaftliche Teilhabe.

Einfluss des youpan auf die BNE-Gremien

Wenn junge Menschen sich im BNE-Prozess engagieren, profitieren nicht nur sie selbst – auch die Arbeit in den BNE-Foren entwickelt sich weiter. Das zeigt sich unter anderem in den gesetzten Themen und in den geführten Diskussionen. So stellen die jungen Mitglieder beispielsweise das Thema Jugendbeteiligung immer wieder in den Mittelpunkt und verweisen auf die Rahmenbedingungen, die es braucht, um mehr junge Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen.

Auch die Arbeitsweise einzelner Gremien verändert sich durch Impulse aus dem youpan. So bringen Mitglieder beispielsweise neue Methoden in die Gestaltung von Sitzungen ein. Darüber hinaus stoßen sie die Gründung neuer Arbeitsgruppen an und wirken maßgeblich an der Entwicklung von Positionspapieren mit, die später von der Nationalen Plattform BNE verabschiedet werden.

Die Studie zeigt zudem, dass die Wirkung des youpan häufig über die eigentlichen Gremiensitzungen hinausgeht. Andere Mitglieder der BNE-Gremien übernehmen Anregungen zu Jugendbeteiligung oder Moderationsmethoden und tragen diese in ihre eigenen Organisationen und Arbeitszusammenhänge weiter. Dadurch entstehen zusätzliche Impulse für Beteiligung und Zusammenarbeit weit über den unmittelbaren BNE-Prozess hinaus.

Förderlich für diesen Einfluss sind insbesondere eine offene Kommunikationskultur, wertschätzende Zusammenarbeit und die Bereitschaft anderer Gremienmitglieder, neue Perspektiven einzubeziehen. Dort, wo Jugendbeteiligung aktiv unterstützt wird, können junge Menschen ihre Expertise besonders wirksam einbringen.

© Deutsche UNESCO-Kommission / Yanina Isla

Junge Strategien in den BNE-Gremien

Die Forschenden konnten außerdem beobachten, mit welchen Strategien youpan-Mitglieder ihre Anliegen in den Gremien voranbringen. Zum einen positionieren sie sich als Expert*innen für die Lebensrealitäten junger Menschen und bringen dabei ihre eigenen Erfahrungen sowie viel Praxiswissen ein. Zum anderen verweisen sie immer wieder auf ihre fachliche Expertise zu BNE und Nachhaltigkeit.

Darüber hinaus nutzen youpan-Mitglieder verschiedene kommunikative und strategische Ansätze: Sie stellen gezielt Fragen, hinterfragen bestehende Positionen und setzen gelegentlich auch bewusste Irritationen ein, um neue Perspektiven anzustoßen. Ebenso wichtig ist der Aufbau von Bündnissen mit anderen BNE-Akteur*innen. Auf diese Weise gelingt es ihnen, ihre Themen und Anliegen innerhalb der BNE-Gremien wirksam einzubringen.

Die Studie macht deutlich, dass junge Menschen dabei häufig eine wichtige Rolle als Impulsgeber*innen übernehmen. Ihre Beharrlichkeit, ihre Bereitschaft zum Nachfragen und ihr Wunsch nach Veränderung bringen Dynamik in bestehende Prozesse. Gerade diese Perspektiven werden von vielen Beteiligten als wertvoll und bereichernd wahrgenommen.

Ein Good-Practice-Beispiel für Jugendbeteiligung

Die Untersuchung kommt zu einem weiteren wichtigen Ergebnis: Das youpan wird von vielen Beteiligten als gelungenes Beispiel für wirksame Jugendbeteiligung wahrgenommen. Das Jugendforum teilt seine Erfahrungen aktiv mit anderen Akteur*innen, vernetzt sich mit Initiativen der Jugendbeteiligung und bringt sein Wissen in unterschiedliche Prozesse ein:

„Auch darüber hinaus wird das youpan als Vorbild für Jugendbeteiligung wahrgenommen, was sich unter anderem darin zeigt, dass es auch von anderen Akteuren so benannt wird oder die Beteiligten (Mitglieder des youpan ebenso wie die Beschäftigten der Stiftung Bildung) nach ihrer Expertise zu Jugendbeteiligung gefragt werden. Auch die anderen Forumsmitglieder nutzen hier zum Teil den Austausch mit dem youpan oder der Stiftung Bildung, um sich für eigene Jugendbeteiligung inspirieren zu lassen […]“ – Hoffmann et al. (2026, S. 64)

 

Damit leistet das youpan nicht nur einen Beitrag zur Weiterentwicklung des nationalen BNE-Prozesses, sondern stärkt auch die Sichtbarkeit und Qualität von Jugendbeteiligung insgesamt. Die Ergebnisse der Studie zeigen eindrucksvoll: Wenn junge Menschen ernsthaft beteiligt werden, entstehen Lernräume, neue Perspektiven und konkrete Veränderungen – für die Engagierten selbst ebenso wie für die Gesellschaft.

Mehr Informationen

Mehr Informationen zur Studie und den Abschlussbericht zum Download (PDF) finden sich auf der Internetseite des Instituts Futur.

Informationen zum youpan finden sich auf der Internetseite des Jugendforums.

Hintergrund: Das BNE-Jugendforum youpan

Das Jugendforum youpan bringt junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren zusammen, die sich an der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) beteiligen. Die jungen Ehrenamtlichen arbeiten in den Gremien des UNESCO-Programms „BNE 2030“, beraten Organisationen und politische Entscheidungsträger*innen.

Das youpan-Büro der gemeinnützigen Spendenorganisation Stiftung Bildung begleitet die jungen Menschen in ihrem Engagement und setzt das Jugendbeteiligungsprojekt seit 2017 erfolgreich um. Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Ansprechpartner*innen

Porträtfoto von Veronika Reuchlein - Ansprechpartnerin für Jugendbeteiligung BNE

Veronika Reuchlein
Projektleitung youpan
Büro: +49 (0) 30 8096 2701
youpanbuero@stiftungbildung.org

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Über unser Jugendbeteiligungs-Projekt

youpan ist das Jugendforum, in dem sich 30 junge Menschen ehrenamtlich an der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) beteiligen.

Das Jugendbeteiligungsprojekt youpan wird umgesetzt vom youpan-Büro der Stiftung Bildung und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter dem Förderkennzeichen 01JO2501 gefördert.

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